Wie schaffst du es als Paddler und Wassersportler, deine Energie in deine Leidenschaften zu stecken?
Mein Leben dreht sich um meine Leidenschaft für Aktivitäten auf dem Meer. Ich trainiere jeden Tag, um körperlich und geistig fit zu bleiben, damit ich im Wasser meine beste Leistung bringen kann. Zusätzlich zum Training versuche ich, unter der Woche so oft wie möglich ins Meer zu gehen. Das kann bedeuten, vor Sonnenaufgang aufzustehen, um vor der Arbeit noch schnell surfen zu gehen, oder in der einstündigen Mittagspause kurz zu paddeln. Wenn ich frei habe, bin ich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang auf dem Wasser. Die Energie, die ich in den Ozean stecke, ist nichts im Vergleich zu der Energie, die ich von ihm zurückbekomme.
Wie gehst du beim Paddeln mit der Energie und den Strömungen des Ozeans um bzw. wie nutzt du sie?
Wenn ich an das Paddeln denke, kommt mir als Erstes ein überwältigendes Gefühl von Ruhe und Ehrfurcht in den Sinn. Es hat etwas Besonderes, vom Meer umgeben zu sein, weit weg vom Ufer – das lässt einen alles schätzen, was man an Land hat. Die Energie, die man vom Meer erhält, ist eine Form der Meditation, aber auch einfach nur guter, altmodischer Spaß.
Das Paddel selbst ist eine Energiequelle. Wie wirkt sich deiner Meinung nach die handwerkliche Qualität des Paddels auf dein Erlebnis aus?
In die Herstellung von Paddeln fließt so viel Zeit und Mühe. Für jedes Paddel sind unzählige Stunden des Messens, Schneidens, Schleifens und Lackierens erforderlich. Ganz zu schweigen von den Jahren des Ausprobierens, die in die endgültigen Designs der Blätter und Schäfte selbst eingeflossen sind. Wie der tahitische Paddel- und Vaʻa-Bauer Michel sagte, tut er es aus Liebe. Jedes Mal, wenn du zum Paddeln gehst, liegt das daran, dass ein leidenschaftlicher und geschickter Handwerker seine Zeit und Energie darauf verwendet hat, dir ein funktionales und schönes Ausrüstungsstück zur Verfügung zu stellen. Ich bin Handwerkern wie Michel und meinem Freund, dem hawaiianischen Paddelbauer Mikey Dowsett, auf jeden Fall sehr dankbar. Handwerker wie sie machen es uns allen erst möglich, den Kanusport zu genießen.
Inwiefern inspirieren dich die Energie des Meeres und der Lebensstil auf der Insel?
Die „ʻōlelo noʻeau: ‚he waʻa he moku, he moku he waʻa‘,“ Das fällt mir ein, wenn ich an das Leben auf einer Insel denke. Es bedeutet so viel wie: „Das Kanu ist eine Insel, und die Insel ist ein Kanu.“ Die Lektionen, die man auf dem Wasser lernt, lassen sich auf das Leben an Land übertragen. Wenn man beispielsweise im Kanu nicht in der Lage ist, gute Beziehungen zueinander zu pflegen, kommt man nicht voran. Probleme werden zwangsläufig auftreten, daher sind positive und effiziente Kommunikationswege notwendig, damit das Kanu vorankommt. Das Inselleben lässt sich mit dem Leben in einem Kanu vergleichen. Bei begrenztem Platz und begrenzten Ressourcen sind Kommunikation, gemeinsame Ziele und Zusammenhalt Voraussetzung für ein erfolgreiches Zusammenleben. Das inspiriert mich dazu, das beste Besatzungsmitglied bzw. Gemeinschaftsmitglied zu sein, das ich sein kann.
Was gibt dir in deinem Alltag Inspiration und neue Energie?
Meine Freunde und meine Familie geben mir jeden Tag neue Energie. Ich glaube, es ist entscheidend, von einem guten Team umgeben zu sein, das einen unterstützt. Ich freue mich darauf, die ganze Woche über mit meiner Freundin Allie surfen zu gehen. Oder es gibt Zeiten, in denen ich zu faul bin, um zu trainieren, und meine Freunde mich dann dazu motivieren, mich aufzuraffen. Ein Team zu haben, gibt einem einen Grund, rauszugehen und sich ins Zeug zu legen.
Welche Art von Spontaneität bringt das Leben auf einer Insel mit sich?
Ich glaube, Spontaneität und Inselleben sind ein und dasselbe. Das gilt besonders für mich als Wassersportler, der mit dem sich ständig verändernden Ozean zu tun hat. Ich warte das ganze Jahr darauf, dass sich die richtige Kombination aus Dünung, Wind und Gezeiten ergibt. Wenn sich dieses Zeitfenster bietet und ich dazu in der Lage bin, lasse ich alles stehen und liegen, um die Gelegenheit zu nutzen. Ich glaube, eine spontane Einstellung ist ein Markenzeichen des Insellebens. Man kann nur bis zu einem gewissen Grad planen – letztendlich muss man mit den Karten spielen, die einem das Leben austeilt.
Findest du irgendwelche Gemeinsamkeiten zwischen der Lebensenergie auf Tahiti und auf Hawaii?
Von den Berggipfeln Tahitis bis zu den Buchten Hawaiis – die geografischen Ähnlichkeiten zwischen diesen beiden Orten sind verblüffend. Als Hawaiianer, dessen Vorfahren aus Tahiti herübergesegelt sind, habe ich definitiv eine Verbindung zu der ʻāina dort unten gespürt. Was die Lebensweise angeht, finde ich, dass insbesondere O‘ahu ein schnelleres Tempo hat und eher städtisch geprägt ist. Letztendlich teilen beide Orte jedoch dieselben Werte wie ʻohana, aloha und die Verbundenheit mit dem Meer. Es war großartig, als Hawaiianer mehr über die tahitianische Kultur zu erfahren und die Ähnlichkeiten zu entdecken. Dies wird die erste von vielen weiteren Reisen zu meinen Cousins im Süden sein.
