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Eine zufriedene Seele: Aloha-Botschafter Brock Little, 1967–2016

Eine zufriedene Seele: Aloha-Botschafter Brock Little, 1967–2016

Brock Little war mit Herz und Seele Hawaiianer, aber weder von Geburt noch von Abstammung. Er sah aus wie ein Hawaiianer – dunkelhäutig, durchtrainiert und wild – und er lebte wie ein Hawaiianer: Er geriet in Straßenkämpfe und wettete auf Hahnenkämpfe. Und Brock konnte Pidgin so sprechen, dass ein Kind aus Waianae zustimmend nicken würde, während all seine Haole-Freunde nur sagen konnten: „Hä?“ Brock war von den 1980er Jahren bis ins 21. Jahrhundert einer der berühmtesten „Aloha-Botschafter“ Hawaiis. So berühmt er als hawaiianischer Surfer auch wurde, geboren wurde Brock Ende der 1960er Jahre als Sohn von Jim und Doric Little in Napa, Kalifornien. Doch die Götter wussten, was kommen würde, und so zogen Brock und seine Familie in den 1970er Jahren nach Oahu, wo Jim ein Fotostudio an der Punahou School eröffnete – der Alma Mater von Präsident Obama und einer ganzen Reihe angesagter Surfer: Jeff Hakman, Gerry Lopez, Fred Hemmings, Mark Cunningham, James Jones. Brock und sein Bruder Clark wuchsen an der North Shore auf, fuhren jeden Tag mit dem Bus zur Punahou School und wechselten dann für ihr Abschlussjahr an die Waianae High School, wo sie lasen, schrieben, rechneten und sich dann prügelten. Ein durch und durch fitter, furchtloser Adrenalinjunkie – Gott allein weiß, was Brock wohl angestellt hätte, wäre seine Familie in Napa geblieben; doch in Hawaii kämpfte und surfte sich Brock seinen Weg in seine hawaiianische Umgebung und war damit perfekt positioniert, um einer der Vorreiter der Wiederbelebung des Big-Wave-Surfens in den 1980er- und 1990er-Jahren zu werden. Waimea Bay war Brocks Spielwiese direkt vor der Haustür, und in den 1990er Jahren dominierte er dort. Beim „Quiksilver in Memory of Eddie Aikau“, das 1990 in Waimea Bay stattfand, nahm Brock zwei riesige Wellen in Angriff, die seinen Namen in der Geschichte des Big-Wave-Surfens festschrieben: Ein riesiges, schwarzes Set, in das Brock hineinstürmte, dessen Kante er jedoch nicht bewältigen konnte und auf dem er zu Fall kam. Und dann eine weitere, kleinere Welle, bei der Brock in die Röhre eintauchte, dann aber beim Herauskommen von der Nase rutschte – was Brock als seinen „50.000-Dollar-Fehler“ bezeichnet. In den 1990er Jahren begann Brock als Stuntman zu arbeiten; man kann ihn sehen, wie er Matt Damon über das Dach eines Gebäudes jagt, während sie in„Oceans’ 11“ den „Pinch“ stehlen. Es ist Brock mit einer Maschinenpistole,der in„Stirb langsam 4.0“von Bruce Willis getötet wird,und wenn man genau hinschaut, kann man Brock sehen, wie er sich in„Pearl Harbor“an den Rumpf eines sinkenden Schiffes klammert. Brock arbeitete von den 1990er Jahren bis ins 21. Jahrhundert hinein ununterbrochen in Hollywood. Als die Produktion von„Blue Crush“in die Stadt kam, nahm Brock die Schauspielerin Kate Bosworth unter seine Fittiche und zeigte ihr die Besonderheiten des hawaiianischen Surfens und der hawaiianischen Kultur. Die beiden hatten auch eine romantische Affäre. Brock war ein Gentleman, hatte aber auch einekolohe Ader. Als Surfer, Stuntman, Frauenheld, echter Kerl, Rettungsschwimmer, Mentor, Freund, Bruder, Kämpfer, Ordnungshüter und Inspiration lebte Brock ein um ein Vielfaches erfülltes Leben. Als bei ihm im Dezember 2015 Leberkrebs im vierten Stadium diagnostiziert wurde, nahm er das Ganze stoisch hin: „Na und“, sagte Brock zu Freunden und Familie. „Bei all den verrückten Sachen, die ich gemacht habe, müsste ich schon ein Dutzend Mal tot sein. Ich habe ein gutes Leben geführt. Ob ich nun noch sechs Tage oder sechs Monate habe – mir geht es gut. Das hier ist nur das Tüpfelchen auf dem i zu dem, was ich in meiner Jugend erlebt habe. Ich mache mir mehr Sorgen um meine Eltern.“ Am Super-Bowl-Sonntag machte sich Brock bereit, nachWaialuazu fahren,um das Spiel mit seinen Freunden anzuschauen. Er befand sich im Wohnzimmer des Hauses seiner Eltern, und es herrschte eine bedrückende Stimmung: Brock hatte eine Krankenschwester bei sich, war an Infusionsflaschen angeschlossen, und überall lagen allerlei Utensilien verstreut. Brock hatte sich immer wohl in seiner Haut gefühlt, doch jetzt war das nicht mehr der Fall. Der Krebs und die Chemotherapie zehrten an ihm, und es war traurig, das mitanzusehen: Dieser Körper war eine Beleidigung für Brocks Geist. Dennoch versicherte Brock all seinen Freunden, dass seine Seele im Frieden sei. Brock war eine zufriedene Seele. Er hatte in seinen 48 Jahren auf Erden viele Leben gelebt, und er liebte seine Freunde und seine Familie sowie seine Errungenschaften und seine Abenteuer. Er war ein vollendeter Mensch. Brock ist am Morgen des 18. Februar im Kreise seiner Freunde und Familie verstorben. Die Hawaiianer glauben, dass Seelen die Erde vom Kaena Point aus verlassen, dem Ende der Koolau-Bergkette, das vom Haus seiner Eltern aus gut zu sehen ist. Brock Littles Seele verlässt diese Erde zufrieden. Wie viele von uns können das von sich behaupten?

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